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Das Volkslied

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Das Volkslied entstand aus dem Bedürfnis, den Mann des Volkes, seine Gefühle, seine Freude und sein Leid, sein Schmerz und seine Begeisterung darzustellen. So sah das Volk das Volkslied als ein Lebensbedürfnis an, als untrennbaren Gefährten bei Freude und Kummer. Seine Schöpfer sind einfache Menschen des Volkes, vielleicht Analphabeten mit hoher künstlerischen Ästhetik und Ausdrucksmöglichkeiten. Diese komponieren die Melodien und schreiben die Verse, welche die Auffassungen der Gesellschaftsschicht ausdrücken, der sie angehören. Diese Werke verbreiteten sich anonym von Mund zu Mund und wurden automatisch Teil der mündlichen Tradition. Diese Anonymität des Volksliedes macht die Volkspoesie zur Schöpfung und unveräußerlichen Besitz des Volkes, welches ihr einen nationalen Charakter gibt. So entstand das Volkslied durch die Initiative eines Menschen und wenn es viele mochten, machten sie es sich zu eigen und es blieb erhalten. Daraufhin wurde es von Mund zu Mund, von Ort zu Ort verbreitet und jeder passte es den örtlichen Begebenheiten und sprachlichen Eigenarten an. Auf diese Art entstanden Varianten.
Die Volkslieder sind in der einfachen Sprache des Volkes geschrieben, in der Sprache der Orte und der Zeit, in der sie entstanden und unterscheiden sich in ihrem Ausdrucksreichtum. Sie kennzeichnen sich durch die bedeutende Anzahl an Takten, gewöhnlich als Jamben (15-silbig), die mit Recht als nationales griechisches Metrum angesehen wird.

Kategorien der Volkslieder
Nikolaos Politis (1852 - 1921), der als erster eine Sammlung, Klassifizierung und Herausgabe der Volkslieder nach streng wissenschaftlichen Kriterien vornahm, unterteilt die Volkslieder in seiner Sammlung „Auswahl von Liedern des griechischen Volkes", Athen 1914, in folgende Kategorien:
- Historische Volkslieder: Sie beziehen sich auf Ereignisse von historischer Bedeutung, die sich vom 12. bis zum 20. Jahrhundert ereigneten.
- Kleftika: mit diesen verherrlicht das Volk die heroischen Kämpfe der Freiheitskämpfer und Armatolen während der Türkenherrschaft. Claude Fauriel bezeichnet die Kleftika als den modernen Ilias Griechenlands.
- Akritika: Sie besingen die epischen Heldentaten der Grenzwachen des Byzantinischen Kaiserreiches, den Akriten. Unter ihnen besetzt der Mythische Held Digenis Akritas den ersten Platz.
- Paralogien (Phantastische Volkslieder): Lieder mit epischlyrischem  und dramatischem Charakter (mythologische, märchenhafte, erotische, gesellschaftliche aus unterschiedlichen Epochen).
- Liebeslieder: Lyrische Lieder mit dem hauptsächlichen Thema Liebe und Erotik.
- Brautlieder: Lieder, die bei den Bräuchen, die die Hochzeit begleiten, gesungen werden.
- Wiegenlieder: Improvisierte Lieder, welche die Mütter verfassen, während sie ihr Kind in den Schlaf wiegen.
- Weihnachtslieder (Kalanda): Lieder, die von Kindern während der Zeit der religiösen Feste (Weihnachten, Neujahr, Epiphaniasfest, Fest des Lazarus) gesungen werden.
- Lieder der Fremde: Sie sind verbunden mit dem Bedürfnis der Auswanderer und ihrer Liebe zu ihrer eigenen Heimat. Sie drücken den Schmerz der leibhaftigen Trennung, die Einsamkeit, die Sehnsucht der in der Fremde Lebenden für ihre Heimat aus und ihren sehnlichen Wunsch nach Rückkehr.
- Klagelieder: Improvisierte Klagelieder, die hauptsächlich von Frauen vor dem Toten gesprochen werden.
- Lieder der Unterwelt und des Charon (Fährmann der Unterwelt): In den dunkelsten Farben stellt das Volk den Tod und die Unterwelt in diesen Liedern dar, die aus dem Mittelalter stammen und mit der akritischen Poesie in Beziehung stehen.
- Sinnsprüche: Es sind Lieder und Zweizeiler, welche die Essenz der Weisheit und die Erfahrung des Volkes bilden.
- Arbeiterlieder/ Wallachenlieder (Hirtenlieder): Sie begleiten die Arbeit und unterteilen sich in zwei Gruppen:
o Lieder, die mit ihrem Rhythmus das Ziel haben, eine gemeinschaftliche Arbeit wie z. B. das Rudern zu koordinieren.
o Lieder, die mit ihrem lyrischen Inhalt darauf zielen, vom täglichen Kampf ums Überleben auszuruhen.
- Spottlieder (Satirische Lieder): Lieder mit heiterem Inhalt, die über Fehler und menschliche Erscheinungsbilder spotten. Sie sind ein unerlässliches Element der Volksunterhaltung.

In Hinsicht auf den Rhythmus ist das Volkslied in zwei große Gruppen unterteilt:
- In Lieder mit freiem Rhythmus, die sich nicht in Takte teilen lassen wie z. B. die Tischlieder,
- In Lieder mit periodischen Rhythmen wie z. B. alle Lieder, die Tänze begleiten.