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Kappadokien

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Kappadokien

Kappadokien () 

 

File:Byzantine Empire Themata Kappadokien.PNG

 

Kappadokien

Kappadokien und der Pontos zählen als zwei der bedeutendsten Regionen des Hellenismus heute zu der „verlorenen Heimat" Griechenlands. Die dortige griechische Präsenz, die durch eine Vielzahl an Denkmäler nachgewiesen ist, geht auf einige Jahrtausende zurück. Viele Städte in geografischen Schlüsselpositionen waren Ansiedlungen der zu der Zeit starken Stadtstaaten. Aber über diese hinaus wurden ganze Landstriche von griechischen Stämmen besiedelt, welche im starken Maß zur Entwicklung der griechischen Zivilisation beigetragen haben. Tatsächlich ist die Zahl der Gelehrten, Wissenschaftler, Militärführern und anderer angesehener Männer in der Antike, welche aus Kleinasien und den benachbarten Inseln kamen vergleichsweise um vieles größer als die, die vom Festland stammten. Es gab aber auch andere Völker, die sich mehr oder weniger friedlich den fruchtbaren Boden teilten. Die Perser erschienen als die größte Gefahr. Schon nach den Feldzügen von Alexander des Großen waren die Griechen das herrschende Volk in der Region. Das römische Imperium fand die Staaten der Nachkommen Alexanders in voller Blüte.
Die Teilung des römischen Imperiums und die Entstehung des Byzantinischen Reichs bildete den Ausgangspunkt für eine lange Zeit der Blüte. Der christliche Glaube fand in den Griechen die gewissenhaftesten Anhänger. Fast alle „Väter" der griechischen Kirche stammen aus Kappadokien. Kaisari war mit 300.000 Einwohnern in den ersten byzantinischen Jahren eine der größten griechischen Städte. In Gegenden des Pontos und von Kappadokien, in ihren Kämpfen gegen Eindringlinge leisteten auch die „Akriten" (Grenzsoldaten), die wachsamen Grenzgarnisonen des Imperiums, Großes und inspirierte die volkstümliche und gelehrte Muse, um die vorzüglichen Lieder des „akritischen Kreises" zu schaffen. Kappadokien scheint die „Mutter" des griechischen Liedes zu sein. Die ältesten Variationen von den meist mehrstrophigen Liedern wie „Akritika", Paralogien (fantastische Volkslieder) sind kappadokische.
Nach der Eroberung durch die Türken waren die Bewohner vieler Regionen gezwungen, die türkische Sprache anzunehmen. Schon seit dem 16. Jahrhundert war der Plan aufgestellt worden, diese Quelle der griechischen Kultur auszutrocknen. Erst wurden alle Honoratioren und Intellektuellen in südlichere Gegenden und nach Zypern verbannt. Sofort danach wurde ein solcher Druck auf die übrige Bevölkerung ausgeübt, dass die Griechen gezwungen waren, ihre Sprache zu wechseln, aber das Recht behielten, ihren Glauben frei zu wählen. Alle die sich nicht überzeugen ließen, lernten die grausamsten Vergeltungsmaßnahmen kennen. Eine davon war das Abschneiden der Zunge der Eltern, wenn die Kinder griechisch zu verstehen schienen. Eine andere Maßnahme war die Änderung der Namen, zu der sie die Einwohner methodisch zwangen. Der gebräuchlichste Wunsch zwischen Kappadokiern ist auch heute noch: „ Mögest du lange leben und dies mit deinem eigenen Namen." Einige Ausnahmen sind auf besondere Privilegien zurückzuführen, die sie sich in einigen Regionen gesichert hatten. So war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts unmöglich, die Anzahl der griechischen Bevölkerung von Kappadokien zu schätzen. Viele sprachen von einer großen Zahl von „heimlichen Christen", bis zu 700.000, die nach dem Bevölkerungsaustausch zurückge¬blieben sind. Von den Archiven des Erzbistums Kappadokien und Pontos, das ihre Gemeinde mit großer Genauigkeit kannte, wissen wir, dass dieser Zahl niedriger war (ca. 100.000 bis 120.000).
Als die Flüchtlinge aus Kappadokien Griechenland erreichten, sahen sie sich zwei Problemen gegenüber: Auf der einen Seite die Armut und Entwurzelung und andererseits das Misstrauen und die Nichtakzeptanz der griechischen Staatsangehörigen, da sie nur türkisch sprachen. Dies verlängerte die Zeit der Isolation und ihre Anpassung an die neue Heimat. Heute haben sie die türkischen Verse vieler Lieder durch griechische ersetzt - nicht immer mit Erfolg - und ihre Tänze auf eine standardisierte Art und Weise in fast allen Tanzgruppen des Landes
verbreitet. Die alten Kappadokier - auch wenn sie immer weniger werden - tanzen und singen wie damals in ihrer alten Heimat, wenn sie sich treffen. Aber sie sehen ihre Kultur verschwinden, ohne dass sich jemand bemüht, sie ausführlich zu erforschen.

Wenn wir bedenken, wie viele unterschiedliche musikalische Eigenheiten wir heute beim griechischen Tanz haben, ist es leicht zu verstehen wie groß die musikalische Vielfältigkeit von Kappadokien ist, einer Region von mehrfacher Größe Griechenlands. Auch die Instru¬mente, welche die Griechen Kappadokiens benutzt haben, war je nach Region, der Bevölkerungsstruktur und auch der Zeitepoche unterschiedlich. So unterscheiden sich in Sinasos, wo die griechische Bevölkerung dominierte (ca. 1.000) und ihre Einwohner im Handel mit Konstantinopel und den Küsten engagiert waren, der musikalische Stil und die Instrumente sich nicht wesentlich von denen in Smyrna. Überdies treffen wir viele bekannten Lieder - traditionelle, städtische und Kunstlieder - in beiden Regionen an. Das gleiche gilt für Malakopi (850 Griechischsprechende), Silata (500), Anaku (500), Floita (2.500) und andere Orte, in denen die griechischen Bewohner einen bedeutenden Teil der Bevölkerung bildeten wie Taxiarchis, Karatzoren, Taslik. Ihre Lieder waren weniger von den Küstenregionen beeinflusst. Und es waren entweder sehr alte griechische Lieder oder moderne auf türkisch. In anderen Regionen wie Misti mit 3.000 Griechen, wo die griechischsprachige Bevölkerung überwiegte, gab es sehr viel mehr türkische Lieder. In den übrigen umliegenden Regionen wie Neapolis (2.500 Griechen), Prokopi (7.000), Karvali (2.000) und Kaisari (750), in denen die Bewohner hauptsächlich türkisch sprachen, wurden die griechisch¬sprachigen Lieder größtenteils vergessen. In diesen Regionen wurden außer der Kemanes oder der Violine auch die Oud, manchmal auch Kanonaki, Sas oder Tzoura (Vorläufer der Busuki) gespielt. In wenigen Fällen wurden auch Blasinstrumente wie die Zournas, Klarinette oder Ney (Rohrflöte) benutzt. Die archetypischste Form des kappadok¬ischen Liedes ist die aus der Region Farassa. Dort ist das Hauptinstrument die Kemanes, d.h. die flaschenförmige Lyra mit sympathischen (sympathetic?) Saiten, der Oud und der Daires, d.h. ein großes Tamburin mit dicken Zimbeln. Der farassiotische Dialekt mit seinen unzähligen altgriechischen Wörtern lässt keinen Zweifel an der Herkunft der Kultur dieser Region. Eine andere idiomatische Region ist Nigde, wo, obwohl es sehr südlich liegt, es viele Griechen pontischer Abstammung gab - natürlich mit der entsprechenden Musik und den Instrumenten. Zum weiteren geografischen Gebiet Kappadokiens gehörten Bezirke, welche seit dem Altertum oder später eigene Verwaltungsprovinzen formten. So liegt nordwestlich von der Salzwüste die Provinz Lykaonia mit Ikonio, in der die griechische und armenische Bevölkerung die türkische übertraf, und Silli mit einer rein griechischen Bevölkerung. Trotzdem sind die meisten Lieder der Region türkischsprachig. Nördlicher liegt die Provinz Galatea mit der Hauptstadt Ankara (mit 2.500 Griechen) und im Osten Städte wie Melitini und Theodosioupolis voll von griechischen Denkmälern.

Die Tänze Kappadokiens sind in jeder Hinsicht hervorragend, weil sie den ganzen rituellen Charakter enthalten, deren Wurzeln im Lauf der Zeit verloren gingen. So gibt es den Tanz der Tücher, den Tanz der Messer, den Tanz der Morgenröte. Diese Tänze werden nicht das ganze Jahr über getanzt, sondern nur zu bestimmten Anlässen wie Ostern, Neujahr. Außerdem gibt es auch Tänze der Regionen, die ohne Unterschied von Griechen, Türken und Armeniern getanzt werden. Diese waren auch die beliebtesten Tänze des Volkes und fehlten bei keiner Feier. Auch heute noch kann kaum ein Kappadokier - selbst aus der 3. Generation - widerstehen, wenn er einen Konyali oder Karsilamas hört. Sofort steht er auf, um zu tanzen oder schlägt einfach mit Löffeln, Gläsern oder was er sonst so findet, den Takt. In den griechischen Regionen, aber hauptsächlich in Sinasos werden auch alle Tänze der kleinasiatischen Küste wie Sirtos, Kalamatianos, Ballos usw. getanzt.

 Regionen :Φάρασσα - Καισάρεια - Νίγδη - Τσαρικλί - Σήμαντρα - Καρβάλη - Σινασσός - Ικόνιο.